Fahrbericht: Cayman S
Bilder: Cayman S

Cayman S Teil 2

Es bedarf einer selbstsicheren Hand, um zwischen einem Sportwagen-Evergreen wie dem 911 und dem ungebrochen beliebten Boxster ein weiteres Produkt zu platzieren. Porsche hat diese Nische, die es auf den ersten Blick zunächst gar nicht gab, ausgemacht. Und prompt eine Starbesetzung präsentiert. Entwickelt wurde ein Automobil mit ausgeprägt sportlichen Qualitäten. Stilsicher und mit Anleihen an die Vorgänger im Hause wie dem 550 Coupé und – vielmehr noch – dem Carrera GTS Coupé tritt der Cayman S auf.

Wichtig war es den Konstrukteuren und Designern, den Neuen nicht wie ein aufgekochtes Gericht zweier bereits existierender Baureihen wirken zu lassen. Den Köchen, pardon Verantwortlichen, ist dies bemerkenswert gut gelungen. Das neue Coupé weist einen gänzlich eigenständigen Charakter auf. Zwar kann er die familiäre Zugehörigkeit der vom Boxster übernommenen Gene nicht zur Gänze von sich weisen. Soll er auch nicht. Dafür verschaffen ihm die anderen Merkmale wie sein festes Dach, die konsequente Zweisitzer-Philosophie, das Mittelmotor-Konzept und die mit 295 PS bewusst zwischen Elfer (325 PS) und Boxster S (280 PS) positionierte Leistung die erwähnte Individualität. All diese Attribute machen den Cayman S, so seltsam das klingen mag, zum eigentlichen Elfer. Er ist so feinnervig, gespannt und direkt, wie es die Fans damals bei Porsche liebten – und eben heute noch lieben.

Es ist dieser Austausch mit dem Fahrzeug, diese erlebte Geschwindigkeit, die muskuläre Interaktion zwischen Fahrer und Automobil. Der Cayman S bedient es lässig, fast nebenbei - und den Fahrer freut´s diebisch. Hier findet eine raffinierte Form der Kommunikation zwischen Mensch und Maschine statt. Kein anderes Fahrzeug in dieser Klasse kann diese Gefühle so transportieren, wie es der Cayman vermag. Mit einem Motor, der so nah hinter den Sitzen arbeitet, das man meint, mit einem Geo-Dreieck die Entfernung vom Nacken zur Ansaugbrücke messen zu können. Dazu die schmatzenden Geräusche aus den Lufteinlässen, wenn der Frischluft Einlass gewährt wird. Und erst der Klang des Sechszylinders. Allein dieser sorgt subjektiv für weitere 100 PS und ist der Garant für eine Gänsehaut auf Abruf. Einmal losgelassen, beschleunigt das Alb-Reptil in nur 5,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Dank des geringen Luftwiderstands-Beiwertes (cW= 0,29) halten sich erst bei 275 km/h die Motorleistung und der Luftwiderstand die Waage. Doch es geht auch anders. Wer es ruhig angehen lässt, kann das Coupé dank der variablen Nockenwellen- und Ventilhubverstellung (VarioCam Plus) mit lediglich 10,6 Liter Kraftstoff hundert Kilometer weit bewegen. Für ein Fahrzeug mit derartigen Fahrwerten ein sowohl zeitgemäßer als auch ausgezeichneter Wert.

Das Schönste jedoch ist, wenn der Cayman sein wahres Gesicht zeigen darf. Am besten auf der Rennstrecke. Hier beweist er, gepaart mit seinen enormen fahrwerksseitigen Reserven, waschechten Sportsgeist. Diejenigen, die es wirklich „können“, werden ihren Cayman dann vermutlich noch mit dem optional erhältlichen aktiven Dämpfersystem ordern. Neben der Absenkung der Karosserie um zehn Millimeter kann sich der Fahrer bequem per Knopfdruck zwischen gesteigertem Reisekomfort oder erhöhter Fahrdynamik entscheiden. Die im Vergleich zum Boxster insgesamt sportlichere Abstimmung dank strafferer Federn, Dämpfer und Stabilisatoren macht, das Talent vorausgesetzt, eine Zeit von acht Minuten und zwanzig Sekunden für eine Nordschleifen-Runde möglich. Doch auch jene, die nicht als Künstler hinter dem Lenkrad agieren, werden bei der Zeitenjagd keine feuchten Hände bekommen. Denn trotz der relativen Nähe des Motors zur Hochachse bleibt der Cayman selbst im Grenzbereich erstaunlich berechenbar. Im direkten Vergleich ist er sogar noch agiler als der 997. Ein größeres Kompliment in Sachen Fahrdynamik kann es für den Neuen eigentlich nicht geben.

Zu guter Letzt überzeugt der Cayman seine Fans obendrein noch mit einem erstaunlich hohen Freizeitwert. Zwei Kofferräume bietet das Coupé, wovon der eine durch die 116 mal 90 Zentimeter große Heckklappe besonders gut zugänglich ist. Bis zur Unterkante der Heckscheibe können dann 185 Liter, bei voller Ausnutzung des Raumes bis unter das Dach sogar 260 Liter an Stauraum genutzt werden. Addiert man dazu dann noch jene 150 Liter des vorderen Kofferraumes, ergeben sich beinahe Porsche-untypische 410 Liter Stauraum. Es wird den Interessenten des Cayman also allerhand geboten. Ein rassiges Sportwagenherz, ein hohes Maß an Individualität, ausreichend Stauraum für zwei und die bekannt hochwertige Verarbeitung. Wer den Cayman leiden mag, sollte ihn sich unbedingt zulegen. Die Argumentation, er sei der Elfer für „Arme“, ist nicht nur wenig stringent, sondern ob der Qualität des Cayman schlicht unangebracht. Der jüngste Porsche-Sproß wird ein ganz Großer werden. Die echten Fans wissen es bereits. tym/Tonne

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