Endlich mal wieder ein Auto, dass so zornig ist, wie es aussieht. Gut, die beiden optional erhältlichen Streifen à la Steve McQueen sind Geschmackssache. Doch sie ändern freilich nichts an der Tatsache, dass dieser Fiesta direkt in die Herzen der sportlich orientierten Fahrer driftet. Der Grund dafür ist die Leistung des stärksten Fiesta. Satte 150 PS werden an die Vorderräder schickt. Finden diese ausreichend Grip, flitzt der Fiesta ST in schmalen 8,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 – bei Bedarf und freiem Auslauf sind es maximal 208 km/h. Dabei hält sich der Verbrauch in Relation zu den durchaus sportlichen Fahrleistungen in moderaten Grenzen. Durchschnittlich fließen nur 7,4 Liter Sprit auf hundert gefahrene Kilometer durch die Einspritzdüsen des 2,0-Liter-Duratec-16V-Motors. Wer sich zurückhält, schafft die Strecke Hamburg/München dann sogar in einem Stück ohne Boxenstop.
Der Fiesta ST (die Abkürzung steht für Sports Technology) sieht - besonders wichtig für die avisierte, jüngere Klientel – schon im Stand "schnell" aus. So prägt den vorderen Stoßfänger ein großer Lufteinlass samt seitlich positionierter, beinahe revolvertrommel-artig gestylter Nebelscheinwerfer. Die kompakte Seitenansicht wird durch die 16-Zoll großen Alu-Felgen weiter aufgepeppt. Wer auf größerem Fuße – sprich Felge – fahren möchte, kann um einen Zoll größere Leichtmetallfelgen im Elfspeichen-Design auf seinen ST montieren lassen. Der Clou: das Budget muss dafür nur um sensationell günstige 195 Euro erweitert werden. So etwas nennt man Kundennähe. Im europäischen Ausland ab Werk, bei uns nur für 190 Euro Aufpreis erhältlich: der Heckspoiler. Schließlich ist den Neidern hierzulande aus verkaufspolitischen Gründen jedwede Angriffsfläche zu nehmen. Ruhiger, aber nicht langweilig ist der Innenraum des Fiesta gestaltet worden. Erfrischend sportlich-schlichte Optik, gute Ergonomie dank des höhenverstellbaren Lederlenkrades als auch die Pedalerie im Motorsport-Look unterstützen die Rennsportambitionen der Fahrer an den passenden Stellen. Besonderes Lob verdienen die excellenten und mit dem ST-Logo bestickten Teilleder-Sportsitze. Ausreichender Seitenhalt und ein ansprechender Langstreckenkomfort sorgen dafür, dass der Allerwerteste auf langen Etappen nicht mürbe geklopft und der Fahrer nicht von Kreuzschmerzen geplagt wird.
Das Einzige, was hingegen geklopft wird, ist die Oberseite der Oberschenkel. Denn die Fahrer werden sich vor Freude hin und wieder selbst einen ordentlichen Klaps verpassen, wenn sie mit dem ST auf der Landstraße unterwegs sind. Die gegenüber der Basis direkter ausgelegte Lenkung und das erkennbar unter dem Motto „Fahrspaß“ abgestimmte Fahrwerk machen den Kölner zum Talentscout der Motorsport-Szene. Das die richtigen Leute am Werk waren, beweist die verantwortliche Abteilung: es handelt sich um das TeamRS. Eine eigenständige, vor drei Jahren gegründete Abteilung, zu der auch die Sport-Division von Ford gehört. Ihr obliegt nicht nur die Entwicklung der Wettbewerbsfahrzeuge von Ford - wie beispielsweise dem in der Rallye-WM erfolgreichen Focus WRC04 - sondern eben auch die der besonders sportlichen Straßenmodelle.
So geht es knackig und straff, aber nicht polterig im ST voran – solange keine Querfugen kommen. Dafür gibt es ein hervorragendes Einlenkverhalten und viel Präzision bei der Scheitelpunkt-Suche. Böse Ausrutscher, wenn es der Fahrer an der Haftungsgrenze der eigens für den Fiesta ST entwickelten P Zero Nero-Highperformance-Pneus von Pirelli übertreibt, müssen dennoch nicht erwartet werden. Das serienmäßige ESP greift zwar am Limit klar und rigoros ein – doch der Fahrer ist dann bereits sehr zügig unterwegs.
Doch wieviel kostet denn nun so eine Spaßquelle in dieser Fahrzeugkategorie? Die Antwort beim ausschließlich als Dreitürer lieferbaren Fiesta ST lautet 18.125 Euro. Auf den ersten Blick mag das als viel Holz für ein so kleines Auto erscheinen. Doch gilt es zu bedenken, dass dann bereits die Klimaanlage, sechs Airbags und ein CD-Radio ab Werk mit an Bord sind. Abgesehen vom erheblichen Spaßfaktor des Fiesta ST ein sehr konkurrenzfähiger Preis. tym/tonne
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